Oder: Vom Märchen, dass Führung etwas mit Härte und Strenge zu tun haben muss.

Jeder von uns hat schon einmal einen Fehler gemacht oder hatte eine andere Meinung als sein Gesprächspartner.

Wem glaubst du eher, dem der dich bestraft und anschreit oder dem, der dir auf bestimmte, aber freundliche Art und Weise erklärt, warum das, was du gerade getan hast, nicht so ideal ist.

Ganz ehrlich, wenn mich jemand anschreit, gehe ich sofort auf Abstand und nehme eine Ablehnungshaltung ein.

Auch wenn die andere Person grundsätzlich Recht hat, mit dem was sie sagt, alleine aufgrund der Tatsache, dass sie es wagt, mich anzuschreien, mache ich dicht. Schon aus Prinzip gebe ich ihr nicht mehr Recht.

Noch schlimmer ist es, wenn es vor den Augen von Zeugen passiert. Dann nimmt er mir gleich auch noch meine Würde.

Es gibt fast nichts Schlimmeres, als einem anderen Menschen die Würde zu nehmen und ihn zu erniedrigen.

Mein Gegenüber kann im Grunde sagen was er will, ich schalte auf Durchzug und höre ihm nicht mehr zu.

Was fällt ihm ein, mich vor meinen Kollegen oder vor anderen Menschen rund zu machen? Wer denkt XYZ, dass er ist. Er wagt es, mich so zu behandeln!

Warum ist das so? Ist doch klar:

Ich werde angegriffen, als unwissend oder dumm hingestellt, im schlimmsten Fall wird mir sogar meine Würde genommen. Ich werde nicht mehr als gleichwertig wahrgenommen.

Das Ganze geht doch auch anders, oder?

Die 4 Schritte der wertschätzenden Kommunikation

Sehen wir uns einmal die 4 Schritte der wertschätzenden/gewaltfreien Kommunikation (nach Marshall B. Rosenberg) an:

Beobachtung – Gefühl – Bedürfnis – Bitte

Wie sehen nun diese 4 Schritte im Einzelnen aus?

1. Ich bringe meine Beobachtung zum Ausdruck ohne jegliche Bewertung und Schuldzuweisung

2. Ich bringe mein Gefühl zum Ausdruck, das durch die Situation entstanden ist, z. B. ich bin traurig, ich habe Angst, ich bin wütend usw.

3. Ich teile meinem Gegenüber mein Bedürfnis mit, z. B. mein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, nach Anerkennung, nach Wissen usw

4. Ich formuliere meine Bitte

Spätestens jetzt sollte dir schon etwas klar geworden sein.

Zu keinem Zeitpunkt greife ich den anderen an, lasse ihn in einem schlechten Licht dastehen oder nehme ihm seine Würde.

Ich bin die ganze Zeit nur bei mir und bringe zum Ausdruck, was die Situation mit mir macht.

Ich erwähne mit KEINEM WORT, was der andere falsch gemacht hat.

Soviel zur Theorie, jetzt mal echte, handfeste Beispiele:

WERTSCHÄTZEND:

Beobachtung: Letzte Woche habe ich deine schmutzigen Klamotten 3 x vom Fußboden im Bad aufgehoben und in den Wäschesack gesteckt.

Gefühl: Es frustriert mich und es macht mich wütend und ich fühle mich ausgenutzt.

Bedürfnis: Wenn ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause komme, kann ich mich nur wohl fühlen und entspannen, wenn es daheim sauber ist. Ich brauche ein aufgeräumtes zu Hause, um mich wirklich wohl fühlen zu können. Kannst du das verstehen?

Bitte: Ich bitte dich darum, dass du deine Klamotten gleich nach dem Ausziehen wegräumst oder in den Wäschesack steckst. Falls das für dich nicht machbar ist, mach mir doch bitte einen Vorschlag, wie wir damit umgehen können und wir uns beide noch in unserer Wohnung wohlfühlen können.

ANGREIFEND:

Beobachtung: Du bist so schlampig, immer lässt du deine Klamotten überall herumliegen und ich muss dir hinterher räumen.

Gefühl: Ich bin so was von genervt, dir ist es doch total egal, wenn hier überall der Mist herum liegt.

Bedürfnis: Hier wird kein Bedürfnis genannt, stattdessen wird dem anderen ein Vorwurf gemacht: „Du bist ein Schlamper“

Bitte: Die Bitte verwandelt sich hier zur Drohung/Bestrafung: Wenn du deine Klamotten nicht ab sofort wegräumst, bringe ich den ganzen Haufen zur Kleiderspende.

Stelle dir doch bitte einmal folgende Fragen:

A

Was machen die beiden Beispiele mit dir und wie fühlst du dich dabei?

A

In welchen Situationen bist du selbst verurteilend und schreist dein Gegenüber vielleicht sogar an?

A

Was denkst du? Bist du in diesem Moment in deiner Führung, wenn du den anderen anschreist oder verurteilst?

A

Kannst du vielleicht sogar anerkennen, dass es sich hierbei um eine Schwäche handelt?

A

Wen nimmst du selbst ernst, jemanden der dich anschreit oder jemanden, der dir auf ganz sachliche und wertschätzende Art und Weise seine Sichtweise und seine Bitte mitteilt?

So, jetzt mal Butter bei die Fische: Wer von uns ist nicht mal ungerecht und verurteilend oder hat auch schon mal seine Kinder, Partner, Kollegen aus einer Wut heraus angeschrien oder verbal angegriffen?

Wir sind alle nur Menschen und ich denke, jeder von uns kennt diese Situationen.

Vielleicht sind es sogar Momente, in denen wir uns hilflos fühlen.

Es kommt auch gar nicht darauf an, dass jeder von uns schon mal vergleichbare Situationen hatte.

Mir kommt es darauf an, dass du ab sofort in die Beobachtung gehst.

Möchtest du gerne regelmäßige Inspirationen von mir erhalten? Dann trage dich noch heute in meinen E-Mail Verteiler direkt hier ⇓⇓⇓ unter dem Text ein.

Gehe ab sofort in die Beobachtung

A

Wann greifst du dein Gegenüber an?

A

Wann wirst du ungerecht, nur weil du wütend bist?

A

Wann stellst du den anderen vor anderen bloß?

STOP!!!!!

Werde dir bewusst, dass du gerade wieder dabei bist, den anderen anzuschreien, zu bestrafen oder zu verurteilen.

Trete einfach einen Schritt zurück.

Wenn es dir gelingt, verlasse die Situation genau in dem Moment, in dem du dabei bist etwas Unbedachtes oder Ungerechtes zu sagen oder zu brüllen.

Am besten verlässt du das Zimmer.

Jetzt kannst du versuchen, die 4 Schritte der wertschätzenden Kommunikation durchzugehen. Formuliere in Gedanken, was du dem anderen sagen möchtest und gehe erst dann wieder zurück und bringe deinem Gegenüber zum Ausdruck, was du sagen möchtest. Ganz ohne Wut, Aggression oder genervt sein.

Und dann schaue was passiert! Du wirst sehen, dass sich die Beziehung zu deinen Mitmenschen grundlegend verändern wird.

Keiner erwartet von dir, dass du von jetzt auf gleich perfekt darin bist, deinem Gegenüber deine Erwartungen, Beobachtungen, Gefühle und Bedürfnisse auf liebevolle Weise mitzuteilen.

Wichtig ist, dass du dich selbst beobachtest, immer wieder aus den jeweiligen Situationen heraustrittst und deine Kommunikation und dein Verhalten veränderst bzw. deine Worte bewusst wählst.

Je öfter du das machst, umso leichter wird es dir fallen und umso mehr Spaß wird es dir machen, wertschätzend zu kommunizieren.

Du selbst wirst immer weniger aus einem Gefühl oder aus einem Affekt heraus handeln, sondern ganz bewusst auf dein Gegenüber reagieren.

Und noch eins: Sei klar in deinem Ausdruck und in allem was du tust. Wenn du einmal Hü und einmal Hott sagst, wird dich auf lange Sicht keiner ernst nehmen.

Versprochen! Umso wertschätzender du kommunizierst, umso wertschätzender wird dein Umfeld sich dir gegenüber verhalten.

Umsonst gibt es doch nicht das Sprichwort: So wie man in den Wald hineinruft, so hallt es auch zurück.

Zum Abschluss beantworte dir selbst bitte noch folgende Frage:

Wann bist du in deiner Führung? Wenn du den anderen maßregelst, anschreist und bestrafst oder wenn du wertschätzend kommunizierst, ihm deine Beobachtungen und Gefühle mitteilst, ihn um sein Mitarbeit bittest und ihn als gleichwertig anerkennst?

Sei ehrlich zu dir selbst und fange noch heute mit deiner Wertschätzung deinen Mitmenschen gegenüber an.

Nur ein Mensch, der Bestätigung und Anerkennung für seine Leistungen erfährt, wird aus eigenem Antrieb heraus motiviert sein, mit dir zusammen zu arbeiten und dich als Führungspersönlichkeit wirklich zu akzeptieren.

Möchtest du gerne regelmäßige Inspirationen von mir erhalten? Dann trage dich noch heute in meinen Newsletter  ⇓⇓⇓  direkt hier unter dem Text ein.