Oder: Was hat Führung mit Leben zu tun?

Heute habe ich mich mit einer Kollegin darüber unterhalten, dass es Menschen gibt, die immer nur am Jammern und Lamentieren sind. Und je mehr ich über das Thema nachgedacht habe, umso mehr habe ich den Drang verspürt, einen Blog-Artikel darüber zu schreiben.

Ich will ja nicht bestreiten, dass ich noch nie gejammert habe oder dass es auch mir manchmal passiert, dass ich mich an einem Thema festhänge und mich selbst bemitleide. Aber ganz ehrlich, was bringt es uns eigentlich, dieses Jammern? Bringt es uns wirklich weiter in unserem Leben?

OK, ich habe mal kurzzeitig ernsthaft darüber nachgedacht, was es mir Gutes bringen könnte, das Jammern meine ich. Also ein paar Sachen sind mir schon eingefallen:

Ich bekomme Aufmerksamkeit

Ich bekomme in dem Moment die Aufmerksamkeit meines Gegenübers und vielleicht überlegt er ja gemeinsam mit mir, wie ich meine Situation verbessern kann. Gut, es kann durchaus sein, dass ich gar nicht möchte, dass sich etwas verbessert. Womöglich verliere ich ja dann wieder die Aufmerksamkeit von dem Menschen, der gerade so mit mir mitleidet. Ist es vielleicht auch so etwas wie der Wunsch nach Liebe? Gesehen werden? Beachtet werden? Achtung, der Text ist nur etwas für Menschen, die bereit sind, selbst zu reflektieren :-).

Und als wir heute so über das Jammern gesprochen haben, haben wir festgestellt, dass man sich gleichzeitig auch zum Opfer der jeweiligen Situation macht. Und wenn ich das Opfer bin, muss ich dann ja möglicherweise auch nicht die Verantwortung dafür übernehmen und kann den Schuldigen im Außen suchen.

Jetzt wirst du sofort einwenden, du spinnst doch, es gibt doch so vieles, wofür ich nichts kann und das mir einfach so passiert, z. B. wenn ich unverschuldet einen Unfall habe, wenn ich gekündigt werde, weil meine Firma Insolvenz anmelden muss, ein Pferd, das sich als nicht reitbar herausstellt, nachdem ich es gekauft habe, die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Ja es stimmt

Es gibt bestimmte Ereignisse, die kann ich nicht unbedingt beeinflussen, aber ich kann in jedem Fall meine Einstellung zu dem Ereignis verändern. Einerseits kann ich vor Selbstmitleid zerfließen und mich selbst wochenlang bemitleiden. Es gibt Menschen, die sich so in ihrem Jammertal suhlen, dass sie nicht das geringste Positive mehr im Leben sehen können. Da kann ein verlorener 20 € Schein schon die Welt zum Einstürzen bringen.

Lange Zeit erging es mir ähnlich, ich habe mich oft so stark darauf konzentriert, was gerade nicht gut läuft in meinem Leben, was mir nicht gefällt und was ich stattdessen viel lieber hätte. Nicht dass ich dann irgendwas verändert hätte, nein, ich habe mich bemitleidet und gejammert. Zusätzlich habe ich mir darüber Gedanken gemacht, was alles Negatives in meinem Leben passieren könnte und die verschiedenen Möglichkeiten in meinem Kopf durchgespielt, wie ich dann darauf reagieren würde.

Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich immer angespannter werde und dass ich in einer Art Daueranspannung festhänge. Ich war ganz oft in einer „Hab-Acht-Stellung“. Puh, war das anstrengend! Ganz ehrlich! Fürchterlich! Und wenn ich darüber nachdenke, was denn so alles eingetroffen ist, über das ich mir Sorgen gemacht habe. Nichts, absolut NICHTS! Umsonst gibt es nicht die Redewendung „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!“ und es ist so WAHR!

Ist das Opferhaltung oder ist das Opferhaltung?

Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass es mir so wahnsinnig viel Energie raubt und dass ich darüber fast die tollen Dinge im Leben vergessen hätte. Ab dem Zeitpunkt habe ich angefangen, Ereignisse gelassener zu nehmen. Wenn ich z. B. einen Strafzettel für zu schnelles Fahren bekommen habe, ok, ich gebe es zu, kurz ärgern ist drin, aber dann abgehakt, weg damit. Der Strafzettel ist da, ICH KANN ES NICHT MEHR ÄNDERN. Es ist wie es ist. Abhaken, zahlen, weitermachen. Und ich muss nicht gleich mit meinen größten Baustellen anfangen, aber wenigstens die kleinen kann ich mir schon mal vornehmen. Das tut nicht weh!

Hey und es geht mir so viel besser damit und ich mache mir keine Sorgen mehr, was so alles passieren könnte. Wenn ich mich doch ab und an dabei erwische und bemerke es, nehme ich mich da wieder bewusst raus. Ich selbst kann bestimmen, was mir Energie raubt und was nicht. DAS ist das Schöne, du bestimmst, wer oder was deine Energie rauben darf und was nicht.

Was kann ich JETZT tun, um die Situation zu verbessern?

Meine Devise ist, erst passieren, dann reagieren. Es reicht doch vollkommen, wenn ich mir Gedanken über etwas mache, wenn es eingetroffen ist.

Was mir noch so in den Sinn kommt zum Thema Opferhaltung ist, dass manche Menschen wirklich JAHRELANG in ein und derselben Situation verharren, nicht das geringste verändern und die Schuld, dass es ihnen so schlecht ergeht, auf die Umstände bzw. andere Menschen abwälzen.

Mein Lieblingsbeispiel: Ich bin unglücklich in meinem Job, der Chef ist nie wirklich zufrieden mit meiner Arbeit, ich habe ätzende Kollegen und meine Arbeit kann ich nicht ausstehen.

Jahrelang!

Es wird gejammert, die langweilige Arbeit, der blöde Chef, die nervigen Kollegen. Und was wird verändert? Nichts!

Dann müsste ich ja selbst die Verantwortung dafür übernehmen, dass ich so lange nichts verändert habe und ich hätte niemanden mehr, dem ich die Schuld geben könnte! Sind wir doch mal ehrlich, manchmal ist es scheinbar einfacher, in einer Situation zu verharren und das Opfer zu sein, als sich seine eigene Unzulänglichkeit einzugestehen und dass ich es jahrelang nicht geschafft habe, eine Veränderung herbeizuführen und mich z.B. bei einem anderen Arbeitgeber zu bewerben oder das zu tun, wofür ich brenne, was mich begeistert.

SCHEINBAR! Wenn ich mir vorstelle, wie viel Energie ich im Laufe der Jahre dabei verbrate bzw. schon verbraten habe und wirklich verschenke, unfassbar! Wertvolle Lebenszeit, positive Energie, die ich dafür nutzen könnte, meine Energie in positive Bahnen zu lenken. WOW. Ist es da nicht vielleicht doch einfacher, sich die eigene Unzulänglichkeit einzugestehen? Einfach ist vielleicht falsch ausgedrückt, im ersten Moment wird es schmerzen und sich sehr bescheiden anfühlen. Aber im nächsten Augenblick bin ich wieder in der Lage zu handeln und selbst zu bestimmen wie es weitergeht.

Es geht um das Thema Führung! Ich übernehme wieder die Führung in meinem Leben!

Wenn du bereit bist, die Führung zu übernehmen, stellst du dir folgende Fragen:

A
Welchen Anteil habe ich daran?
A

Was kann ICH anders tun, um eine Verhaltensänderung bei meinem Gegenüber hervorzurufen?

A
Welche Schritte sind JETZT durch MICH nötig, um die gewünschte Veränderung herbeizuführen?
Wie oben schon erwähnt, ist es absolut ausreichend, mit kleinen Schritten zu beginnen. WICHTIG ist nur, dass du in die Beobachtung gehst und ehrlich zu dir selbst bist.

Mir geht es nicht darum, irgendjemandem die Schuld zuzuschieben. Schuldzuweisungen haben mich noch nie weitergebracht. Im Gegenteil jede Situation verschlimmert sich dadurch erst recht, weil der/die Beschuldigte sofort dichtmacht. Ich finde es einfach nur wichtig, sich selbst zu beobachten und zu analysieren, welchen Anteil ich unter Umständen selbst daran habe, um dann in der Lage zu sein zu handeln.

Wenn du anfängst, dich selbst zu beobachten, wirst du feststellen, wie sehr sich deine Sichtweise auf verschiedene Situationen verändern wird.

Manches habe ich bewusst etwas provozierend geschrieben, einfach um dich dazu zu bringen, wirklich über das Thema nachzudenken.

Wenn du Unterstützung beim Hinschauen möchtest, schreibe mir und vereinbare noch heute ein kostenloses 30-Minuten Kennenlerngespräch mit mir.

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